NavigationKontaktÖffnungszeitenAnfang

 

 

Umwelt-zahnmedizinische Symptome


Die Krankheitssymptome im Fachbereich Umweltmedizin sind häufig unspezifisch.

Sie verbinden sich zu einem komplexen Krankheitsbild. Verschiedene Ursachen können zu gleichen/ähnlichen Symptomkomplexen führen. Oft liegen Belastungen durch mehrere Schadstoffe vor, deren Wirkungen sich überlagern oder verstärken.

Rückschlüsse von Symptomen auf definierte Schadstoffe sind im Fachbereich (Zahn-)Umweltmedizin dadurch nur selten möglich, weshalb weiterführende (Blut-)Tests zur Bestimmung nötig sind.

Die Symptomatik und damit die Anamneseerhebung gliedert sich in verschiedene Bereich

  1. lokale Gesundheitsstörungen durch Zahnmaterialien in der Mundhöhle
     
  2. regionale Gesundheitsstörungen z.B. im Bereich anderer Mukosen, wie im Bronchialbereich oder in tiefere Abschnitte des Intestinaltrakts etc.
     
  3. systemische Gesundheitsstörungen
    1. Störungen des Immunsystems
    2. neurologische und psychiatrische Störungen
    3. chronische Schmerzen
    4. endokrine Erkrankungen
    5. kardiovaskuläre Symptome
       

 

1.) Lokale Gesundheitsstörungen durch Dentalersatzmaterialien

Hierzu gehören Schleimhautrötungen, rezidivierende Mykosen, Aphten, lichenoide Veränderungen, Parodontose und Parodontitis, Argyrosen, maligne Entartung, etc.

Häufige lokale Beschwerden im Bereich der Mundhöhle bei Verwendung von Zahnersatzmaterialien sind: Metallgeschmack, Zahnfleischbluten und Zungenbrennen.

Trockene Mundschleimhäute können Folge einer Unterfunktion der Speicheldrüsen oder einer permanenten Mundatmung durch chronische Schwellung der Nasenschleimhäute sein, deren Ursache im Zahnbereich allerdings auszuschließen ist (z.B. Mundtrockenheit als Nebenwirkung von Medikamenten).

Rezidivierende symptomrelevante Mundschleimhaut-Mykosen setzen eine Vorschädigung der lokalen Schleimhautareale voraus und können auf eine Materialproblematik, mangelnde oder schlechte Mundhygiene (Zahnprothesenhygiene oder seltenes Auswechseln der Zahnbürsten) zurückzuführen sein.

Besondere Vorsicht bei Antibiotika, Kortikoide (auch inhalativ) oder Immunsuppressiva. Eine Medikamentenanamnese ist notwendigerweise zu erheben, auch weil Nebenwirkungen von Medikamenten umweltbedingten Krankheitsbildern ähneln können.

 

2.) Regionale Gesundheitsstörungen durch Dentalersatzmaterialien

Dabei handelt es sich meist ebenfalls um Störungen mukosaler Funktionen (Funktionen der Schleimhäute). Die Schleimhäute, z.B. im Oropharyngealtrakt sind immer als Einheit zu sehen.

Beispiele dafür sind chronische Sinusitiden, Erkrankungen im Bronchialbereich, Pharynx, Larynx, Ösophagus, etc.

 

3.) Systemische Gesundheitsstörungen

a.) Störungen des Immunsystems

Funktionsstörungen des Immunsystems durch Umweltschadstoffe sind statistisch die am häufigsten durch entsprechende Analytik nachzuweisenden Erkrankungen. Diese Funktionsstörungen können sich durch Autoimmunprozesse, allergische oder andere pathologische Sensibilisierungsreaktionen, chronische Inflammationsprozesse, sowie Immundefizienzen zeigen. Wichtig in der Anamnese ist daher die Frage nach Immundefekten, Allergien und auch Autoimmunerkrankungen sowie anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen wie z.B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Psoriasis, Autoimmunthyreoiditis, Lupus erythematodes und rheumatoider Arthritis.

Als gesichert gilt, dass viele Schwermetalle (nicht nur Quecksilber!) Autoimmunität induzieren können. Freie Metallionen entstehen durch Korrosionsprozesse, welche durch chemische und galvanische Reaktionen gefördert werden.

Bei der Klassifikation von (allergischen) Sensibilisierungsreaktionen auf Zahnersatzmaterialien ist die Differenzierung in Typ I-Reaktionen (Soforttyp) und Typ IV-Reaktionen (Reaktionen vom verzögerten Typ) entscheidend.

  • Typ IV-Sensibilisierungen (häufig auch als Kontaktallergien bezeichnet) sind im Bereich der Unverträglichkeitsreaktionen auf Dentalersatzmaterialien vorherrschend. Sie werden durch allergen-spezifisch sensibilisierte Lymphozyten ausgelöst. Daraus ergibt sich, dass es sich immer (auch) um systemische Reaktionen handelt!
  • Typ I-Sensibilisierungen treten im Bereich Dentalersatzstoffe selten auf. Allerdings muss bei Kunststoffen (Methacrylaten) und Wurzelfüllmaterialien daran gedacht werden (siehe unten).

Bei Metallen, Kunststoffen und kunststoffhaltigen Komposit-Zementen dominieren Typ IV-Sensibilisierungen (Verzögerte Reaktionen).

Hautreaktionen auf metallhaltigen Schmuck, Piercings und metallhaltige Knöpfe und Schnallen deuten auf eine Typ IV-Sensibilisierung gegenüber Metallen hin.

Zur ganzheitlichen zahn(umwelt-)medizinischen Anamnese gehört die Nachfrage nach in den Organismus eingebrachten chirurgischen Materialien (z. B. Schrauben, Klammern, Stents in der Gefäß- oder Unfallchirurgie) sowie nach in den Organismus eingesetzten Kunststoff (-ähnlichen) Materialien (z. B. nach Hernienoperationen). Bei Frauen ist nach kupferhaltigen Spiralen (Verhütungsmittel) zu fragen. Die Frage nach beruflichem Umgang mit Metallen gehört ebenfalls immer zur Anamnese.

Nicht aus Zahnersatzmaterialien stammende Quellen von Metallbelastungen sind z.B. Zigarettenrauch: laboranalytische Messungen an Tabakarten z B in marktüblichen Zigaretten, weisen bedeutende Mengen folgender Elemente auf :Quecksilber, Nickel, Cadmium, Arsen, etc.

Die Verwendung von quecksilberhaltigen Augentropfen und Kontaktlinsenflüssigkeiten (Thiomersal - auch ein Zusatz bei Impfstoffen), Zahnpflegematerialien, z.B. titanoxidhaltige Zahnpasten und Medikamenten muss im Rahmen der Anamneseerhebung genauso berücksichtigt werden, wie die zunehmende „Belastung” über unsere Umgebung mit Methacrylaten (Verkapselungen von Medikamenten, künstliche Fingernägel, Gebrauchsgegenstände etc.).

Methacrylate sowie einige in Zementen, Klebern oder Wurzelfüllmaterialien enthaltene potentielle Allergene können sowohl Typ IV als auch Typ I Sensibilisierungsreaktionen induzieren.

Eine atopische Disposition als Indiz für eine Typ I-Sofortreaktion bestätigt sich bei folgenden Reaktionen aus der Anamnese: Heuschnupfen, Hautekzemen, Extrinsic - Asthma, Urtikaria, etc. Typ-I Sensibilisierungsreaktionen gegenüber nicht-metallischen Werkstoffen sind jedoch auch ohne die typischen „Atopiker-Symptome” immer wieder messbar. Es ist empfehlenswert, bei entsprechendem anamnestischem Verdacht eine mögliche Typ-I Sensibilisierung vor Einbringung von neuem Zahnersatz durch entsprechende Laboranalytik auszuschließen.

Bei klinischen Zeichen einer Immunsuppression / eines Immundefekts sind rezidivierende Infekte (HNO - Bereich, Bronchitis,urogenital), opportunistische Infektionen durch zahlreiche Erreger gehäuft zu beobachten.

Eine übersteigerte, überstimulierte Immunreaktion im Sinne unterschiedlicher Sensibilisierungsreaktionen oder anderer pathologischer Erkrankungen verschiedener Mukosaareale kann nur über allgemeine Parameter des Immunsystems korrekt erkannt / ausgeschlossen werden. Dieses erfolgt durch Bestimmung von Lymphozytensubpopulationen (zellulärer Immunstatus) sowie spezielle immunologische Funktionstests. Die langfristige (Referenzwert-überschreitende) Akkumulation von Schwermetallen im intrazellulären Kompartiment kann zu einem Mangel von organischem Zink und/oder Selen im Serum / intrazellulär führen. Dadurch können Selen- und Zink- abhängige Stoffwechselreaktionen sekundär gestört werden.

Bei organischem Zink z.B. als Störung von Funktionen der Haut und deren Anhangsgebilden.

Quecksilber kann durch Abdampfen aus Zahnamalgam antibiotisch wirken, und damit die physiologische Standortflora verschiedener Mukosa-Areale besonders des Dickdarms schädigen und opportunistische Pilzinfektionen begünstigen. Durch Dentalersatzmaterialien induzierte Störungen der physiologischen Funktion der Schleimhäute des Darmtraktes können sekundär z. B. zu erhöhten Frequenzen von Stuhlentleerungen, rezidivierenden Diarrhoen, Obstipationen und Meteorismus führen.

Weiters kann begünstigt bzw. hervorgerufen werden ein Entstehen von allergisch und nichtallergisch bedingten Lebensmittel-Intoleranzen. Wenn langzeitige mukosaschädigende Prozesse im Bereich Dickdarm wirksam im Sinne einer chronischen Inflammationsreaktion sind, kann es zu gesteigerter Permeabilität dieser Schleimhäute kommen. Dadurch kommt es vermehrt zu Kontakten von Inhaltsstoffen des Dickdarms zum Immunsystem des Darms. Enzymatisch bedingte Unverträglichkeiten von Laktose und Fructose müssen differentialdiagnostisch durch entsprechende genetische Tests ausgeschlossen sein

b.) Neurologische und psychische Störungen

Neben der derzeit in der Medizin einseitig bevorzugten Deutung psychischer Auffälligkeiten als Psychosomatisch muss auch die Umkehrung dieser Kausalität mehr Beachtung finden. Wenn man den Funktionssitz dessen, was man als Psyche bezeichnet im Wesentlichen im Zentralnervensystem sieht, muss es auch somatopsychische Störungen geben, wie z. B. durch nachweisbare Belastung des Patienten mit neurotoxisch wirksamen Substanzen, wie z. B. Schwermetalle wie Quecksilber, Palladium etc.

Eine somatopsychische Störung durch neurotoxisch wirkende Umweltsubstanzen / Reizstoffe kann ursächlich nur über Meidungsstrategien gegenüber nachgewiesenen neurotoxischen Substanzen behoben werden. Besondere Suszeptibiltät gegenüber neurotoxisch wirkenden Substanzen tritt bei analytisch nachgewiesenen Störungen der Blut-Hirn-Schrankenfunktion (BHS) ein.

Weitere mögliche somatopsychische Zusammenhänge: Pathologisch erhöhte Serumwerte für das proinflammatorische Zytokin Interferon-gamma (IFN-γ) führen zu einer Minderproduktion des körpereigenen, psychisch stabilisierenden Serotonin. Insbesondere Typ-IV-Sensibilisierungen (mit verzögerte Reaktionen) sind Induktoren von IFN-γ. Primär psychologische / psychosomatische / psychiatrische Erkrankungen müssen bei Bedarf über die entsprechenden Fachbereiche ausgeschlossen bzw. verifiziert werden. Dies zu veranlassen ist primär die Aufgabe des Fachbereichs kurative Umweltmedizin. Analysen protektiver Faktoren wie z B verschiedener Vitamine des Organismus sind ebenfalls primäre Aufgaben des Fachbereichs kurative Umweltmedizin mit entsprechenden Indikationsstellungen.

Grundinformation über häufig auftretende, größtenteils unspezifische Symptome umwelterkrankter Patienten:

  • Chronische Müdigkeit / Mattigkeit
  • Schwäche
  • Leistungsabfall
  • Neurologische Funktionsstörungen, z.B.
    • Störungen der Konzentration von Gedächtnisfunktionen
    • Nervosität und Reizbarkeit
    • Schlafstörungen
    • depressive Störungen

Wissenschaftliche Begründungen sind z.B. Publikationen, wie von Prof. Maes (Maastricht): Intracerebrale Dysbalancen, z. B. von proinflammatorischen Zytokinen, führen zu Angstzuständen, depressiven Zuständen, Konzentrationsstörungen, etc.

Differentialdiagnostisch ist zu beachten: Neurologische Symptome können auch durch nicht-dentale Schad-/Reizstoffe wie z. B. Holzschutzmittel, andere Pestizide, Insektizide, Lösemittel (mit-)hervorgerufen werden.

Folgende Ausschlussdiagnostik durch den Fachbereich kurative Umweltmedizin sollte zeitnah vorliegen: u. a. chronische Infektionen (u. a. Borreliose, Tuberkulose, Epstein- Barr -Virus, Chlamydien- und Yersinieninfekte , HIV und chronische Hepatiden).

Berufliche Expositionen

Spezielle Berufsgruppen, wie Zahnärzte, Zahnarzthelferinnen, Dentaltechniker, Medizinberufe z. B. im Pflegebereich sowie alle Arbeitsbereiche mit regelmäßiger Exposition zu Metallen, Kunststoffen, Klebern (z.B.Maler, Lackierer, Metall verarbeitende Berufe) müssen aufgrund ihrer beruflichen Belastung durch Materialien, die denen im Bereich Zahnmedizin gleichen/ ähneln, als Risikogruppen bei zahnärztlichen Sanierungen eingestuft werden.

c). chronische Schmerzzustände

Hier müssen sowohl Fokusgeschehen, chronisch infizierte Kieferbereiche als auch die Verwendung individuell unverträglicher Materialien unterschieden werden. Bei entsprechenden Beschwerden in diesen Bereichen muss eine gründliche zahnärztliche Fokus-Diagnostik erfolgen, gerade wenn typische „Rheumaparameter” unauffällig sind.

Chronische Kopf-, Gelenk-, Muskel- und Weichteilschmerzen sind ein häufiger Symptomenkomplex. Schmerzen sind Warnsignale des Körpers für einen aus der Kontrolle geratenen Entzündungsprozess. Metallische Zahnersatzmaterialien können Reizwirkungen u. a. auf Nervenfasern ausüben.

  • \Veränderung der Strompotenziale durch Verwendung verschiedener Metalle (galvanische Effekte),
  • Verstärkung von äußeren elektromagnetischen Feldern (verschiedenster Art) durch Metalle, z.B. in der Mundhöhle,
  • Toxische Schädigung von Nervengewebe durch freie Metallionen (z. B. Quecksilber, Palladium).

Differentialdiagnostisch müssen bei chronischen Kopf- und Gesichtsschmerzen beachtet werden:

  • Halswirbelerkrankungen (Arthrose, Arthritis, Halswirbelschleudertrauma)
  • chronische Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Bluthochdruck
  • Augenerkrankungen wie Glaukom
  • Cranio-mandibuläre Dysfunktion. - Weitere Ausschlussdiagnosen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Fachbereich Kurative Umweltmedizin
  • Erhöhung der thermischen Leitfähigkeit von Metallrekonstruktionen

d.) Kardiovaskuläre Erkrankungen

Nach Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und Angina pectoris muss hier gefragt werden.

Es besteht die Möglichkeit, dass Schadstoffe durch die Induktion von proinflammatorischen Zytokinen (z. B. IFN-γ, IL-6) kardiovaskuläre Störungen fördern. Verdacht auf Kardiovaskuläre Erkrankungen sollten vom Spezialisten abgeklärt werden.

e.) Endokrine Erkrankungen

Schwermetalle und verschiedene Umweltschadstoffe können Reproduktionsstörungen bei Wirbeltieren hervorrufen. Unter anderem Cadmium, Blei und Quecksilber haben eine nachgewiesene Wirkung auf die Reproduktion von Mensch und/oder Tier.

Quecksilber hemmt in Tierversuchen die Ovulation. Die Empfängniswahrscheinlichkeit kann reduziert werden. In vitro -Versuche zeigen bei Quecksilberexposition eine signifikant verminderte Penetrationsfähigkeit und Mobilität von Spermien in Abhängigkeit von der Quecksilberkonzentration.

Ähnliches gilt für Cadmium. BISGMA (Bestandteil einiger Kunststoffe, Versiegler!) hat eine hormonähnliche Wirkung. Im Rahmen der Anamneseerhebung sollte abgeklärt werden, ob sich die Symptomatik des Patienten z. B. nach längeren Urlaubsphasen deutlich bessert. Dies kann als Hinweis auf nicht (nur!) durch Dentalmaterialien bedingte Expositionen sein. Vor Beginn jeglicher Behandlungen/ Maßnahmen bei Umweltkranken, auch im zahnärztlichen Bereich, muss bei den üblicherweise auftretenden Mehrfachexpositionen, die vom Fachbereich kurative Umweltmedizin diagnostiziert wurden/werden müssen, eine objektive Hierarchisierung der aus der umweltmedizinischen Diagnostik abgeleiteten Maßnahmen stattgefunden haben. Hier kann nur intensive Kommunikation / Kooperation zwischen Umweltmediziner und Zahn(umwelt)-mediziner zu einem Patienten-gerechten Maßnahmenkonzept führen.


Walter Pongratz
Dr. med. univ.
et med. dent.
Raiffeisenstr. 12
8401 Kalsdorf/Graz
Telefon:
03135/53103 
Fax:
03135/53103 40
 

 

Anfang | Öffnungszeiten | Leistungskatalog | Impressum | Kontakt